Der Athlet

Der Sportler und sein Rad

Walter Rütts Körpergröße betrug 173 cm, sein Wettkampfgewicht 81 Kilogramm. Auf der Höhe seines Könnens bevorzugte er bei Fliegerrennen eine Übersetzung von 25 x 7 = 96 Zoll, die ihm einen Raumgewinn von 7,68 Metern pro Kurbelumdrehung verschaffte. Die Kurbellänge betrug 170 Millimeter, die schnellste Zeit für die letzten 200 Meter 11,3 Sekunden = 63,71 km/Std.

Während seiner 25jährigen Laufbahn wechselte er mehrfach den Ausrüster seiner Rennmaschinen. Die Tabelle zeigt das Jahr in welchem Verträge abgeschlossen wurden sowie die verwendete Marke.

Die Radausrüster von Walter Rütt

Seine größten Erfolge verbuchte er auf Rädern der Marke "Torpedo". Einem Katalog aus dem Jahr 1914 entstammt die unten gezeigte Abbildung des Weltmeisterrades. Leider wird bei den Angaben nicht der damalige Verkaufspreis erwähnt.

Katalogabbildung Torpedo, das Traumrad seiner Zeit für Bahnfahrer

Die Farben des Trikots

In den frühen Jahren des Bahnradsports trug jeder Profi ein Trikot in seinen ganz speziellen Farben. Damit war er während der Rennen auch von den Zuschauern auf den hinteren Rängen gut zu erkennen.

Bei der Anmeldung zu einem Wettkampf war der Fahrer verpflichtet, die Lizenznummer und die Farben seines Trikots anzugeben. Das Kleidungsstück wurde stets in der Art getragen, dass sich die Knopfleiste auf der linken Seite befand.

Das Trikot von Walter Rütt

Foto: Universitätsarchiv Stuttgart

Das hier gezeigte Trikot von Walter Rütt befindet sich heute im Universitätsarchiv Stuttgart. Es ist Bestandteil eines Nachlasses von Hermann Sauter, der ein großer Verehrer des Weltmeisters war.

Sauter, ein vermögender Geschäftsmann und leidenschaftlicher Sammler, lud Walter Rütt 1951 zu einem mehrwöchigen Besuch nach Stuttgart und später zu einer Reise nach Dänemark ein. Ob Sauter das Trikot käuflich erwarb oder von Walter Rütt geschenkt bekam, ist nicht bekannt.

Das Trikot weist an mehreren Stellen Risse auf, ein sicheres Indiz für intensiven Gebrauch und viele Stürze. Die im gleichen Design gefertigte Mütze trug Walter Rütt wohl nur selten. Es gibt eine Vielzahl von Abbildungen, die ihn mit einer Kopfbedeckung zeigen, jedoch nie mit dieser sehr speziellen Ausführung.

Was ihn dazu bewogen hat, ausgerechnet die Streifenoptik in Schwarz und Grün zu seinem Markenzeichen zu machen, ist nicht überliefert.

Der Speiseplan eines Champions

"Während des Sechstagerennens nehme ich die Mahlzeiten zu den üblichen Essenszeiten ein, aber ich führe meinem Körper zwischen diesen Mahlzeiten leicht verdauliche Dinge zu. Mässigkeit ist die Hauptsache. Ein überladener Magen würde bei einer Anstrengung übel reagieren, dagegen werden leichte Speisen während des Fahrens leicht verdaut.

Die Lebensgeister kann der Sechstagefahrer durch gutes Essen und Trinken auffrischen, aber auf einer langen Fahrt begegnen ihm andere Widerwärtigkeiten, denen er Herr werden muss. Die Handgelenke und die Arme leiden durch das Stützen auf der Lenkstange, die Rückenmuskulatur beginnt zu schmerzen und der Nacken schickt sich an, steif zu werden. Hier muss der Masseur eingreifen."

Walter Rütt verpflegt sich in seiner Koje

"Ich bin nie Vegetarier gewesen. Während des Sechstagerennens habe ich Fleisch in jeder Zubereitung zu mir genommen und mir auch ein Glas Bier nicht versagt. Hühnerfleisch, Hühnerbrühe und der amerikanische Beef-Tea werden von vielen Sechstagefahrern bevorzugt, desgleichen Früchte und Gemüse.

Sekt, in kleinen Qualitäten genossen, tut keinen Schaden, Kaffee oder Tee sind aber als Getränk zu bevorzugen. Ein Glas Porter erfrischt und beschleunigt die Verdauung, auf die der Sechstagefahrer sein besonderes Augenmerk zu richten hat."

In den frühen Jahren des Berliner Sechstagerennens hatte jede Mannschaft in den Katakomben der Halle ihre eigene Küche, in der ein Berufskoch für seine zwei Fahrer und meist vier Helfer kochte, briet, schmorte und buk.


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