Walter Rütt Memorial

Der Champion und sein Arbeitsgerät

Diese Internetpräsenz ist dem Radrennfahrer Walter Rütt gewidmet, der in den Pionierjahren des Bahnradsports eine bedeutende Rolle spielte.

Die Website behandelt die wichtigsten Stationen seiner sportlichen Laufbahn und dokumentiert entscheidende Abschnitte im Privatleben des Athleten. Seltenes Bildmaterial, das im Laufe vieler Jahre zusammengetragen wurde, zeigt den Sportler in allen Phasen seines Wirkens.

Detailliert wird die Geschichte der "Rütt-Arena" und ihr tragisches Ende beleuchtet. Auf welchem Wege dem Weltmeister ein spätes Denkmal gesetzt wurde, erfahren Sie im Kapitel über die Walter-Rütt-Halle.  

Obwohl die Lebensbeschreibung umfangreich recherchiert und sorgfältig geprüft wurde, erhebt sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie versteht sich allenfalls als eine Annäherung.

Dass die Geschichte von Walter Rütt bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat, zeigt sich daran, dass die Website jährlich mehr als 30.000 Besucher verzeichnet. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Prädikat "Linkperle". 

Lobende Worte fand auch Peter Rütt, ein Enkel des Weltmeisters: "The hard work you have done to honnor our grandfathers memory, leaves an impression of outstanding admiring for what he did to the world of sport."

Prolog

Als "Fliegerrennen" bezeichnete man im späten 19. Jahrhundert die Wettbewerbe der Bahnradsprinter. In einer Zeit ohne Auto- und Flugverkehr im heutigen Sinn zählten die Flieger zu den schnellsten Menschen der Welt. Die besten von ihnen wurden Berufsfahrer, waren die Stars eines jungen und modernen Sports und hatten ihre Verehrer in allen Gesellschaftsschichten.

Ihre Wettkämpfe wurden bereits Wochen vor der Austragung in der Presse sowie auf Plakaten beworben, man diskutierte auf der Straße und in den Kneipen über Favoriten und mögliche Sieger. Angereiste Fahrer wurden von den Fans schon am Bahnhof empfangen, ihre Quartiere belagert und kleine Jungen waren stolz, wenn sie die Reisetaschen ihrer Idole zur Rennbahn tragen durften.

"Er war einer der größten und erfolgreichsten Sportsmänner dieses Jahrhunderts."

Paul Schwarz 1964

Fliegerrennen waren Großereignisse und wo die Radarenen den Platz boten, kamen mehr als 20.000 Zuschauer. Wenn die Flieger ihre für heutige Verhältnisse ungeheuer schweren Rennmaschinen mit wuchtigen Tritten auf eine Geschwindigkeit jenseits der 60 Stundenkilometer beschleunigten, kannte die Begeisterung des Publikums keine Grenzen. Wenn der exzentrische Hannoveraner Willy Arend ein Match gegen den Franzosen Edmond Jacquelin austrug, war dies ein Ereignis, das die Sportnation bewegte.

Ganz anders geartet als die Fliegerrennen, aber von gleichem Interesse beim sensationslüsternen Publikum waren die Sechstagerennen, die in keiner Weise vergleichbar waren mit denen der Gegenwart. Es waren echte und harte Ausdauerprüfungen über sechs volle Tage und Nächte und sie fanden unter Bedingungen statt, die man heutzutage für unzumutbar erklären würde.

Portraitfoto von George Crantham


A
ustragungstermin war der Winter, in den ungeheizten Hallen war es kaum wärmer als draußen und die Fahrer brachten kleine Öfen mit, die sie neben ihren Kojen aufstellten, um während der kurzen Pausen nicht zu "erfrieren". Neben der Pritsche hatten sie einen Sauerstoffapparat stehen, um  wenigstens ab und zu etwas reine Luft zu inhalieren. Tabakrauch lag in dichten Schwaden über der Rennbahn, reizte die Augen und erschwerte die Atmung erheblich.

In beiden Disziplinen bildeten sich Spezialisten heraus, in beiden zu glänzen war fast unmöglich. Dem Protagonisten dieser Seiten ist es gelungen, sich sowohl mit dem Titel des Fliegerweltmeisters zu schmücken, als auch mit dem eines Champions der Sechstagerennen. Seine Geschichte ist die vom Aufstieg und Erfolg, von Ansehen und Reichtum, aber es ist auch die von der Vergänglichkeit des Ruhmes und die der Armut. Es ist die Geschichte von Walter Rütt.

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