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Abschied von der Weltbühne

Während des ersten Weltkrieges arbeitete Walter Rütt als Ausbilder von Kraftradfahrern in der Kaserne in Lankwitz. Er bestritt weiterhin sehr erfolgreich Fliegerrennen und erhielt 1921, zusammen mit Willy Lorenz, noch einmal einen Vertrag für das New Yorker Sechstagerennen.

Am Abend der Eröffnung wartete er in den Katakomben des Madison Square Garden gespannt auf den Aufruf zur Vorstellung der Fahrer. Wie würden die Amerikaner so kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs auf die Anwesenheit des Deutschen reagieren, der hier ein Jahrzehnt zuvor für Furore gesorgt hatte? Walter Rütt befürchtete, gnadenlos ausgepfiffen zu werden, aber er sollte sich getäuscht haben. Als er die Stufen zum Fahrerlager hinaufstieg und die Zuschauer ihn erblickten, erhob sich ein unbeschreiblicher Jubel. Seit Jahren war kein anderer Fahrer im "Garden" mit derartigen Ovationen empfangen worden.
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Biographie (3)

 

 

Weltmeister

 

Die Sprinterqualitäten hatten durch die Sechstageaktivitäten keinen Einbruch erlitten und im Jahr 1913, als Walter Rütt sich wieder ganz auf die Fliegerrennen konzentrierte, siegte er nicht nur in den Grossen Preisen von Paris, Kopenhagen und Berlin, sondern galt auch als einer der Favoriten für die Weltmeisterschaft.

 

Diese fand am 28. und 31. August auf dem Sportplatz Lindenau in Leipzig statt, Teilnehmer waren 43 Fahrer aus acht Nationen.

 

Walter Rütt absolvierte die Vor- und Zwischenläufe in überragender Manier und stand im Finale dem Dänen Thorvald Ellegaard sowie dem Franzosen Andre Perchicot gegenüber. Der Endlauf musste zweimal gestartet werden, da Ellegaard an seiner Maschine einen Reifenanschaden hatte. Rütt zwang den Dänen in die Führung und kontrollierte geschickt den hinter ihm fahrenden Franzosen. 300 Meter vor dem Ziel eröffnete Ellegaard den Spurt, Rütt arbeitete sich energisch heran und überspurtete ihn dann klar.

 

Als Preisgeld erhielt er die Summe von 1000 Mark. Die Voraussage seines Vaters hatte sich erfüllt: "Mit 30 Jahren kannst Du auch einmal Weltmeister werden."

1925, inzwischen bereits 42 Jahre alt, wurde er in seiner Wahlheimat Berlin nochmals Sieger des Sechstagerennens. Zur Seite stand ihm dabei der Belgier Emile Aerts.

 

Nach 25jähriger Tätigkeit als Berufsfahrer, auf den Radrennbahnen der Welt hatte er in unzähligen Rennen nicht nur 933 Siege, sondern auch 173 schwere Stürze zu verzeichnen, beendete Walter Rütt seine Karriere. Am 12. Januar 1926 fuhr im Berliner Sportpalast seine Abschiedsrunde, wobei der finale Spurt durch seinen Sohn Oskar angezogen wurde, der ebenfalls Berufsradrennfahrer geworden war.

 

Der "Illustrierte Radrennsport" kommentierte den Abend mit den Worten: "So manches Auge füllte sich mit Tränen, ein Stück Geschichte des Deutschen Radrennsports wurde hier zu Grabe getragen."

 

 

Kneipe in Berlin

 

Im November 1929 eröffnete Walter Rütt an der Potsdamer Strasse, in unmittelbarer Nähe zum Sportpalast, eine kleine Kneipe. Der Gastwirtsohn tat sich allerdings schwer im Umgang mit den Gästen und die Räumlichkeiten waren wenig einladend.

Das Unternehmen "Sport-Restaurant" war nicht einträglich und wurde bald wieder aufgegeben.

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Walter Rütt verpflegt sich während eines Sechstagerennens in seiner Koje.

 

 

Walter Rütt nach seinem Sieg im Grossen Preis von Paris 1913. Das Foto zeigt ausserdem (von rechts) Rütts Betreuer Flamm sowie die Flieger Willy Arend und Clemens Schürmann.